Coaching, vom coolen Manager zum Förderer und Former

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Die derzeitige Krise in deutschen Unternehmen ist hausgemacht, meint Gerd J. Kleinmann, Unternehmensberater und Coach für Führungskräfte. Um zu überleben, seien ein Bewußtseinswandel in allen Hierarchiestufen und eine veränderte Führungskultur erforderlich.

Der drastische wirtschaftliche Rückgang hat uns in eine tiefe Krise geführt. An Schuldzuweisungen fehlt es nicht: schlechte Konjunktur, steigende Löhne und Gehälter bei verkürzter Arbeitszeit, „Wasserköpfe" in Betrieben und Organisationen usw. Die Hauptursache der Krise wird jedoch kaum erkannt, ist Kleinmann überzeugt. „Wir ruhen uns aus auf den Erfolgen früherer Jahre. Während die USA und vor allem Japan frühzeitig auf absolute Kundenorientierung und flexible Teamorganisation gesetzt haben, gepaart mit den neuesten technologischen Entwicklungen, herrschen hierzulande Sorglosigkeit, Anspruchsdenken und Arroganz gegenüber dem Kunden." Hier sei dringend eine veränderte Einstellung erforderlich. „Wir müssen liebgewordene Trampelpfade verlassen", lautete Kleinmanns Aufforderung an die Zuhörer. „Auch ein Verband wie der Ihre lebt von Ideen und Zielen, die ständig hinterfragt werden müssen." Es geht um das Überleben in „gnadenlos" gewordenen Märkten. „Können Sie es sich erlauben, auf eine bessere allgemeine Lage zu warten, oder darauf hoffen, daß Ihre bisher getroffenen Maßnahmen ausreichen", fragte Kleinmann. Seiner Meinung nach erfordert die derzeitige Krise eine neue Führungsphilosopie. Er sprach damit das Total Quality Management an. TQM sei mehr als das Erfüllen von Qualitätssicherungsnormen, um eine bessere Wettbewerbsposition zu erlangen. Es stehe für ein neues Führungssystem, eine veränderte innere Einstellung und ein ganzheitliches Denken, das sich durch alle Hierarchiestufen und Organisationsformen ziehe. Dazu gehöre vor allem eine veränderte Führungskultur. Gerade in Krisenzeiten würden gut motivierte Mitarbeiter gebraucht. An die Stelle eines autoritären Führungsstils von oben nach unten müsse eine glaubwürdige Führung treten: weg vom coolen Manager, hin zum Föderer und Former. Der Mensch müsse in den Mittelpunkt gerückt werden. Dazu gehöre auch das Berücksichtigen von zwischenmenschlichen Beziehungen, ein Bereich, der meistens vernachlässigt werde. Ein konsequentes Training, in dem ein Fachmann, sprich „Coach", beispielsweise kritische Situationen mit den Führungskräften übt, könne hier weiterhelfen. Als zweiten wichtigen Punkt sprach Kleinmann die Kundenbetreuung an. Umfragen hätten ergeben, daß nur 30 Prozent der Reklamationen auf das Produkt zurückzuführen sind, 70 Prozent dagegen auf die Verwaltung, d. h. unangemessene Behandlung der Kunden. Auch hier seien dringend Veränderungen erforderlich. „Die fetten Jahre sind vielleicht für immer vorbei", meinte Kleinmann. „Eigenes Handeln und eigene Kreativität sind gefragt."

12 Prinzipien der Verhaltensänderung als Überlebensstrategie

1. Zielorientierung statt Obrigkeitsdenken
2. Teamarbeit statt Einzelkämpfertum
3. Pionier- statt Konserviergeist
4. Dynamik statt Trägheit
5. Vertrauen statt Mißtrauen
6. „Kundenantenne" statt Überheblichkeit
7. Leistungs- statt Anspruchselite
8. Lernbereitschaft statt Opportunismus
9. Flexibilität/Mobiliät statt Bequemlichkeit
10. Mut und Offenheit statt Angst
11. Kommunikation statt Eigensucht
12. Zukunftssehnsucht statt Rückwärtsdenken

RWTextilservice 1995

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